Nicht ohne Grund gilt Frankreich als das Weinbauland schlechthin, obwohl die nackten Fakten eigentlich etwas anderes sagen. Bei der Weinerzeugung liegt Frankreich weltweit an zweiter Stelle und was die Rebfläche (ca. 960.000 ha) angeht, so liegt es sogar nur an vierter Stelle. mehr...
Frankreich ist stolz auf seine Weine. Sie beinhalten ein Stück französischer Seele und stellen eine Art Grundnahrungsmittel dar. Man trinkt ihn mittags (manchmal mit etwas Wasser verdünnt) und zur Hauptmahlzeit am Abend. Nach dem Essen wird jedoch - anders als hierzulande - normalerweise kein Wein mehr getrunken.
Doch Wein aus Frankreich ist noch weit mehr, sowohl positiv als auch negativ. Zum einen gibt es in vielen Regionen Frankreichs auch noch unentdeckte Weine, die immer wieder zur Erkundung einladen und die eine preiswerte Alternative zu den oft nicht mehr dem Genuß sondern vor allem als Wertanlage dienenenden berühmteren Weinen, die oft überteuert sind. Auf der negativen Seite ist aber in Frankreich auch, wie in fast allen Weinbauländern die große Massenweinproduktion zu nennen, die oft, alleine wegen der Herkunft aus dem Weinland Frankreich zu überhöhten Preisen verkauft werden können. Trotz allem bietet französicher Wein für Weinfreunde aber sicherlich noch mit die meisten hervorragenden Weine.
Der Beginn des Anbaus von Wein läßt sich gerade in Frankreich relativ leicht beziffern und merken. Er fällt ungefähr mit dem Beginn unserer Zeitrechnung zusammen, als die Römer ein Auge auf das schöne Gallien geworfen hatten und dieses besetzten. Sie brachten den Galliern, die schon vorher dem Wein nicht abgeneigt waren, diesen aber aus Griechenland und Italien bezogen, die Reben.
Es begann der systematische Anbau. Über die Jahrhunderte wurde der Weinbau kultiviert und perfektioniert. Mit großer Liebe und offenbar einer besonders glücklichen Hand bei der Auswahl der Reben für die unterschiedlichen geologischen und klimatischen Gegebenheiten, entstanden Weine, wie es sie auch heute noch nur in Frankreich gibt. Nicht von ungefähr wurde so in Frankreich etwa die Cuvée "erfunden", der Verschnitt mehrerer Sorten, die sich dabei zu besonderen Weinen ergänzen. Diese Erfindung wird Dom Pierre Pérignon (1638-1715) zugeschrieben, dem wohl bis heute bekanntesten Mitglied des Benediktinerordens. Allgemein darf man den Mönchen Frankreichs, neben Teilen des Adels, für viele Errungenschaften in der Weinbereitung dankbar sein. Diese blieben nicht nur auf Frankreich begrenzt, sondern hatten, und haben bis heute, ihre positiven Auswirkungen auch auf die anderen Weinbauländer dieser Welt.
Französischer Wein gilt heute weltweit als etwas Außergewöhnliches und als Ausdruck kultureller Vollkommenheit. Der bekannte englische Wein-Autor Hugh Johnson hat das in seinem Buch „Atlas der französischen Weine“ so beschrieben: „Im Laufe der Geschichte hat sich an verschiedenen Stellen der Erde eine Form kultureller Vollkommenheit entwickelt, die sich jeder logischen Erklärung entzieht. Denkt man an den Nahen Osten, ist dies die religiöse Fruchtbarkeit, der Name Deutschland verbindet sich mit Musik, der Name Italien mit Architektur. Wer aber von Frankreich spricht, denkt unwillkürlich an Tafelfreuden. Die Franzosen wählen und bereiten ihre Speisen mit so viel Eifer und Sorgfalt wie sonst niemand auf der Welt. Sicherlich hat dieses geniale Talent zum Genießen den Franzosen dazu verholfen, die Schöpfer der edelsten Weine zu werden.“